Unsere Gesundheit ist vielleicht unser wertvollstes Gut. Deshalb sind präzise medizinische Übersetzungen von größter Bedeutung, da sie sich direkt auf das Wohlbefinden eines Menschen auswirken können. In den vergangenen Monaten haben wir unsere ELAN AI Bridge eingeführt und nutzen die neuesten technologischen Errungenschaften in vollem Umfang. Wir sind jedoch weiterhin überzeugt, dass KI am besten funktioniert, wenn ein Mensch eingebunden ist, und nirgendwo ist das wichtiger als im medizinischen Bereich. Wir haben mit zwei unserer internen medizinischen Korrekturleserinnen, Anja Thys (Korrekturleserin für Englisch) und Kim Hoebrechts (Korrekturleserin für Niederländisch), darüber gesprochen, wie sie an medizinische Übersetzungen herangehen.
Hallo Kim und Anja. Schön, dass ihr euch die Zeit nehmen konntet, einige unserer Fragen zu beantworten. Beginnen wir mit einer einfachen Frage. Was fasziniert euch an medizinischen Übersetzungen?
Kim: Mir gefällt vor allem, dass man immer etwas Neues lernt. Die medizinische Welt entwickelt sich ständig weiter: neue Studien, neue Behandlungen, neue Erkenntnisse. Als Übersetzerin hat man die Möglichkeit, Teil davon zu sein. Das gibt mir einen richtigen intellektuellen Schub! (lacht)
Anja: Mir geht es genauso, ich habe im Laufe der Jahre so viel gelernt. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich das Feld ständig weiterentwickelt und welche Krankheiten und Heilmethoden es gibt.
Warum ist ein menschlicher Experte bei medizinischen Übersetzungen nach wie vor unverzichtbar?
Anja: Bei medizinischen Übersetzungen ist es tatsächlich wichtig, dass ein Mensch die Kontrolle über das Ergebnis hat. Es kann zum Beispiel bestimmte Stoffe, Konzepte oder Definitionen geben, die austauschbar erscheinen oder ähnlich aussehen, es aber nicht sind. Wenn unser Wohlbefinden und unser Leben davon abhängen, erscheint es mir unverzichtbar, dass ein Mensch die Endkontrolle durchführt.
Kim: Präzision ist bei medizinischen Texten entscheidend. Versteht mich nicht falsch, KI kann beim Übersetzen oder Korrekturlesen ein wertvolles Werkzeug sein. Sie kann Vorschläge machen, bei der Suche nach der richtigen Terminologie helfen usw. Medizinische Texte sind jedoch oft komplex, vielschichtig und stark kontextabhängig. Man muss das gesamte Dokument verstehen können und manchmal sogar den weiteren klinischen oder wissenschaftlichen Kontext, um es vollständig zu erfassen.
KI und maschinelle Übersetzungen können bei der Terminologie manchmal inkonsistent sein. Es kann sein, dass ein Begriff gewählt wird, der dem Ausgangswort stark ähnelt, aber falsch ist. Deshalb braucht man eine Fachperson, die entscheidet, welcher Begriff am geeignetsten ist. Was wird in diesem speziellen Fachgebiet üblicherweise verwendet? Welche Begriffe wird die Zielgruppe verstehen und erwarten?
Könnt ihr uns ein Beispiel für einen Lektoratsauftrag nennen, bei dem ihr einen schwerwiegenden Fehler korrigiert habt?
Kim: Ich erinnere mich an eine Übersetzung, in der „une étude avec souris“ („eine Studie mit Mäusen“) ins Niederländische als „een study met mensen“ („eine Studie mit Menschen“) übersetzt wurde. Es stand also „mensen“ (Menschen) statt „muizen“ (Mäusen) da. Es ist nur ein einziges Wort, aber die Bedeutung ändert sich drastisch. Solche Fehler können bei automatischer Übersetzung auftreten, aber die Folgen können in einem medizinischen Kontext gravierend sein.
In einem medizinischen Text kann eine einzige Fehlinterpretation alles verändern. Deshalb muss man immer konzentriert und wachsam bleiben. Ist das wirklich die treffendste Interpretation? Ist das logisch? Man muss analytisch denken.
Anja: Oh ja, ich habe im Laufe der Jahre durchaus einige schwerwiegende Fehler in medizinischen Übersetzungen gefunden. Meistens geht es um die Verwendung bestimmter Wörter oder um Rechtschreibfehler, die zu Verwirrung führen könnten. Ich erinnere mich an eine Übersetzung, in der der Ausgangstext erklärte, wie man Erste Hilfe leistet, die Beschreibung im Zieltext jedoch tatsächlich dazu geführt hätte, dass die hilfsbedürftige Person erstickt. Das musste natürlich korrigiert werden! (lacht)
Eine letzte Frage an euch beide. Was ist die größte Herausforderung beim Korrekturlesen einer medizinischen Übersetzung?
Anja: Für mich ist es die Terminologie. Manche Wörter sehen ähnlich aus, sind aber überhaupt nicht dasselbe. Eine weitere Herausforderung können Zahlen, Einheiten und Daten sein. Dazu gehört auch zu prüfen, ob sie korrekt und angemessen vom Ausgangs- in den Zieltext übertragen wurden. Letztlich kommt es auf die Details an, und alles muss zu 100 % korrekt sein.
Kim: Ich denke, die größte Herausforderung besteht darin, den Inhalt vollständig zu erfassen. Medizinische Texte können äußerst detailliert sein und ein bestimmtes Fachgebiet betreffen. Sie können Begriffe enthalten, die nur für Spezialisten etwas bedeuten. Manchmal sehe ich Texte, in denen mehrere Begriffe gleichzeitig verwendet werden, und sie scheinen Synonyme zu sein. Für eine Fachperson sind sie jedoch grundverschieden. Als medizinische Übersetzerin oder Korrekturleserin muss man diese Unterschiede verstehen.
Vielen Dank für eure Zeit!
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